Gedanken von J.Thür – anno 1946

…die zum Sport ausgeartete Kunstimkerei hat sonderbare Blüten hervorgebracht. Da wird die Königin in künstlicher Wiege künstlich geboren. Zum Hochzeitsfeste wird sie in kleinem Gemach in die Verbannung geschickt. Nur eine erlesene Schar meist fremder Untertanen, gering an Zahl dürfen sie dorthin begleiten. Sorgsam wird jedes männliche Glied des eigenen Volkes ferngehalten. An diesem abgelegenen Ort wird ihr ein volksfremder Gatte imkerlicher Bestimmung aufgezwungen; die freie Gattenwahl bleibt ihr versagt. Das unnatürliche Schandmal wir ihr am Rücken lebenslänglich aufgetragen. Der aus der Abgeschiedenheit zurückgebrachte Hofstaat mit der königlichen Hoheit harrt nunmehr des Imkerlichen Einsatzes. In kühler Berechnung wird vorher einem Volke die Königin gewaltsam entfernt und – ermordet. Das seiner königlichen Hoheit beraubte Volk erfaßt tiefstes Weh. Ein nicht endenwollendes, weithin hörbares Klagegeheul kündet den Schmerz. Und noch ehe das Volk zu den nüchternen Forderungen des Alltags zurückfindet und noch ehe es seine naturbestimmte Art des Königinersatzes treffen kann, unterschiebt ihm der Imker dieses Kunstprodukt einer Königin, ohne Nachweis ihrer Eignung, nur gestützt auf imkerliches Gelingen. Doch nur zu oft reißt dem Bien die Geuld und wirft solch königliches Geblüt dem Imker zu Füßen. Und wenn einmal alles gut gelingt, so geschah es ohne Rücksicht auf unerforschte Naturzusammenhänge. – So viel wissen wir, daß sich die Natur solcher Mittel nicht bedient und daß menschliches Wirken in dieser Richtung nur einseitige Erfolge erzielt mit einhergehender Entartung.

aus „Bienenzucht – naturgerecht – einfach und erfolgssicher“ von Johann Thür (1946)

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