DIE WUNDERWELT DER BIENEN

Ein Rundgang durch die Honigfabrik

Mit dem Bienenstaat hat die Natur einen Superorganismus hervorgebracht, der (fast) alles richtig macht, auch wenn er wohl nicht wirklich denken und planen kann und seine Mitglieder nicht wirklich selbslos sind. Diese Tatsache entzaubert die Bienen nicht, sondern vertieft die Ehrfurcht und den Respekt vor der Natur und vor diesem Insekt.

„Wer anfängt, Bienen zu halten und auch nach drei Jahren, wenn alle Anfängerdramen durchlebt sind, noch Bienenvölker hat, der hat keine Bienen mehr, sondern umgekehrt: Den haben die Bienen!“ – So steht es am Beginn des Buches. Und so ist es: Der Umgang mit dem Superorganismus „Bien“ erfasst den ganzen Menschen. Imkern, das ist für die allermeisten Imker und Imkerinnen nicht nur ein Hobby. Es ist ein Lebensgefühl, eine Weise, die Welt zu sehen.

Darum hat der Umgang mit Bienen auch eine spirituelle Dimension. Bienen führen zu den großen Fragen. Bienen halten heißt auch, dem Leben beim Leben zuzuschauen – und mehr noch: zu erfahren, dass dieses Leben nicht ein irgendwie gehandhabtes Gegenüber ist, sondern ein Anvertrautes, von dem man selbst ein Teil ist. Bienen lehren uns, dass wir, wie Albert Schweitzer es ausdrückte, Leben sind inmitten von Leben, das leben will.

Und enthält die besondere Form des Zusammenlebens, die Bienen im Laufe der Evolution entwickelt haben, nicht sogar eine Botschaft? Vermitteln Bienen nicht eine Idee davon, wie das Leben, wie das Zusammenleben sein könnte?
Ein Bienenvolk verhungert nicht über Wochen hinweg, sondern innerhalb weniger Stunden. Es kennt keine Armen oder Schwachen, die, wenn die Nahrung knapp wird, nichts mehr bekommen, weil sie nicht stark, reich oder skrupellos genug sind, den anderen etwas wegzunehmen. Bienen kapitalisieren ihren Besitz nicht in den Händen weniger. Es wird geteilt, was da ist. Und wenn nichts mehr da ist, dann sterben alle.

Bienen leben in einer Gemeinschaft der Gegenseitigkeit unbedingter Gabe. Nur weil alle für alle sorge im „Wissen“ darum, dass auch für sie gesorgt wird, wird ein Bienenvolk zum Superorganismus, zum „Bien“. Der Philosoph Josef Pieber hat auf die Frage, was Liebe ist, geantwortet: Liebe sei zu sagen „Gut, dass es dich gibt“ und noch mehr, Liebe sei zu sagen „Du aber sollst nicht sterben“. Ist aus dieser Perspektive der Superorganismus „Bien“ eine Verkörperung der Liebe? Ist das die Botschaft der Bienen? Uns eine Welt vor Augen zu führen, in der die Goldene Regel gelebte Wirklichkeit ist, nämlich dem anderen zuteil werden zu lassen, was man für sich selbst wünscht?

Die meisten Menschen, die intensiven Umgang mit Bienen pflegen, haben solche Gedanken. Und auch wenn imkerliches Pathos vielleicht etwas überzieht: Eine kleine Welt zu kennen, in der Gegenseitigkeit funktioniert, hilft, an einer Welt, die in immer egoistischerem Streben immer mehr auseinander zu fliegen scheint, nicht zu verzweifeln. Bienen geben Hoffnung – und sie machen glücklich.

(Auszüge aus dem Epilog – „Die wunderwelt der Bienen“ von Jürgen Tautz und Diedrich Stein – ISBN 978-3-328-10361-5)

Vereinstreffen 08.09.2020 18.30h

Nach der Sommerpause treffen sich die „Bienenvernarrten“ wieder im:
Restaurant „Müllerbeisl“ (Seilerstätte 15, 1010 Wien)
zum Erfahrungsaustausch.

Themen:
Bericht über laufende Projekte, Ernteerfolge, Varroa, Einwinterungsvorbereitungen, Fütterung, und, und,….

Freunde und Gäste sind herzlich willkommen.

Monatsanweisung JULI

Aus jeder Saat spricht eine Ernte
Quelle: Leipziger Bienenzeitung 1949

Geschleudert wird, wenn die Tracht am Erlöschen ist. Unbedingt schleuderreif ist eine Wabe, wenn sie ganz oder bis zu einem Drittel verdeckelt ist. Ganz frisch eingetragenen, nochwässrigen Honig schleudert man, wenn es zu umgehen ist, nicht.Das öfteres Schleudern den Fleiß der Bienen anrege, ist angesichts des Schaffensdranges der Biene eine irrige Meinung. Oftmaliges Schleudern bringt neben der Mehrarbeit dann und wann Hungerzustände und unreifen Honig zutage.

Des Imkers Saat vom letzten August oder September her über Winter und Frühjahr hinweg ist jetzt zur Ernte gereift, im ungünstigen wie im günstigen Sinne. Auswahl der Königinnen nach Rasse, Ertrag, Alter oder Zufallsköniginnenbestand, Herbstreizfütterung zwecks Erzeugung starker Brutsätze oder nicht, Überwinterung in Ruhe oder voller Störungen, im Frühjahr verengte, wohlverwahrte Wohnungen oder schlecht verpackte Eiskeller, Futterüberfluß im April oder Mangel, Zusammenballen der Volkskraft oder Zersplittern durch Schwärmerei: im Juli wirkt sich die Saat aus in Gestalt der verschieden gefüllten Honigtöpfe.

Die Stellung der Wabe in der Schleuder ist wichtig. Der Honig soll leicht und restlos ausfließen, das Wabenwerk an den Zellrändern möglichst geschont werden. Da die Zellen leicht nach oben gerichtet sind, also nocht waagrecht auf der Mittelwand stehen, muss bei der Hochwabe der Unterschenkel in der Wabe oben sein, und bei der Breitwabe muß der Unterschenkel vorauslaufen. Daß man die erste Seite nur leicht oberflächlich ausschleudert, die Wabe dann mit der anderen Seite nach außen stellt, etwas kräftiger dreht und den Wechsel nachher noch zweimal unter kräftigen Schwung vornimmt, sei nur nebenher erwähnt.

Ausgeschleuderte Waben kann man sofort, auch fremden Völkern, wieder einstellen, wenn man sie hinten oder im Honigraum, vor allem gut in kaltes Wasser getaucht gibt. Das kalte Wasser verdeckt den aufreitzenden Geruch des frischen Honigs und schreckt Räuber ab. Ausgeleckt, trocken kommen die Waben in den Schrank. Honigfeuchte Waben verschmieren durch Abtropfen den Wabenschrank, und beim Aussortieren unbrauchbarer Waben ist es Schade um die verbliebenen Honigreste. Bei starkem Fluge macht sich die Honigentnahme, das Schleudern und die Wabenrückgabe am besten. Wer den Honigraum vom Brutraum vor dem Schleudern nicht durch ein Schied trennt, hängt zuerst die schleudernden Waben heraus. Da fliegen bereits zahlreiche Stechlustige ab ans geschlossene Fenster des Bienenhauses. Dann wird Wabe um Wabe abgeschlagen und weggetan, der Honigraum sofort mit geschleuderten, naßgemachten Waben gefüllt, geschlossen und das Bienenhausfenster geöffnet.

Im Juli findet auch die große Heerschau der Königinnen statt. Jetzt ist es noch an der Zeit, Fehler abzustellen und Ersatzmütter zu schaffen. Besonderes Augenmerk richtet man auf die abgeschwärmten Mutterstöcke, die Nachschwärme und Ableger. Im allgemeinen wird gesehen auf lückenlosen Brutstand, auf umfassenden Pollengürtel mit anschließenden Honigbogen, auf Sanftmut Alle diese Beobachtungen kann man mit der Honigentnahme verbinden. Unbedingt sind Notizen darpüber zu machen. Daß die Königin zu zeichnen ist, bedeutet eine Selbstverständlichkeit, weniger wegen des bequemeren Findens als wegen der Sicherheit, keinen stillen Umweisler unbekannten Alters später vor sich zu haben.

Die Brutbeschränkung wir aufgehoben, Heidewanderer reizen bereits vom 10. Juli ab wieder.

Ein Jahrhundert für die Bienen – 100 Jahre Westend(e)



Am Dienstag, den 10.Dezember 2019 feierten wir den 100. Geburtstag. Festgäste aus nah und fern –  im Besonderen die Hietzinger Bezirksvorsteherin Mag.a Silke Kobald, der Präsident des Österreichischen Imkerbundes Ing. Reinhard Hetzenauer sowie der Obmann des Landesverbands Wien, IM Albert Schittenhelm.
 
Wir sind stolz, im ältesten Bienenverein Wiens zu sein. Die steigenden Mitgliederzahlen sind ein erfreuliches Zeichen dafür. 

100 Jahre Wien-Westend

Am 10. Dezember 2019 feierten wir unseren 100 jährigen Geburtstag im Restaurant Wambacher. Hier ist jene Stätte, an der für den ältesten Bienenverein Wiens alles begann.

Im Frühjahr 1919 trafen einander zwei Herren, Pospischil und Manfried, regelmäßig Gasthaus Wambacher in der Lainzerstraße zum Fachsimpeln über die Imkerei. Nachdem der erfahrene Bienenmeister Polansky die Tischrunde erweiterte, beschlossen sie nach einiger Zeit einen Bienenverein zu gründen. Warum wir Wien-Westende heißen, wissen wir nicht genau. Vielleicht hängt das mit unserem Gründungsort auf der Speisingerstraße im 13. Bezirk zusammen, der damals am Ende der westlichen Grenzen der Verzehrungssteuer, dem Linienwall lag. Aber daran forschen wir noch.

Forschen müssen wir auch an anderen Dingen. Denn unseren Bienen geht es nicht gut. Für das „Bienensterben“ gibt es mehrere Gründe. Pestizide, ausgeräumte Landschaften und die Varroa-Milbe. Aber wir halten dagegen, wir tragen Verantwortung, und das nun schon seit 100 Jahren. Diese lange Zeit bedeutet vor allem eines: Kontinuität und Stabilität, auch in schwierigen Bienen-Zeiten. Umso erfreulicher ist es, dass unsere Organisation auch positiv in die Zukunft blickt. Derzeit vereinen wir 25 Imkerinnen und Imker und bis zu 4 Millionen Bienen. Engagierte Menschen jeden Alters und Berufsgruppe, die gemeinsam Ihr Wissen zum Erhalt unserer wertvollen Kultur beitragen.

STICHTAGE

Werner Jessner hat in der Ausgabe Juli/August über unser Hobby einen tollen Beitrag mit hervorragenden Fötos geschrieben

Eine Biene ist ein Genie, doch viele Bienen sind einWunder der Natur. Sieben gut gemeinte Fingerzeige zum Umgang mit jenen Insekten, die wir schmerzlich vermissen werden, wenn wir künftig nicht gut auf sie achtgeben.

Gedanken von J.Thür – anno 1946

…die zum Sport ausgeartete Kunstimkerei hat sonderbare Blüten hervorgebracht. Da wird die Königin in künstlicher Wiege künstlich geboren. Zum Hochzeitsfeste wird sie in kleinem Gemach in die Verbannung geschickt. Nur eine erlesene Schar meist fremder Untertanen, gering an Zahl dürfen sie dorthin begleiten. Sorgsam wird jedes männliche Glied des eigenen Volkes ferngehalten. An diesem abgelegenen Ort wird ihr ein volksfremder Gatte imkerlicher Bestimmung aufgezwungen; die freie Gattenwahl bleibt ihr versagt. Das unnatürliche Schandmal wir ihr am Rücken lebenslänglich aufgetragen. Der aus der Abgeschiedenheit zurückgebrachte Hofstaat mit der königlichen Hoheit harrt nunmehr des Imkerlichen Einsatzes. In kühler Berechnung wird vorher einem Volke die Königin gewaltsam entfernt und – ermordet. Das seiner königlichen Hoheit beraubte Volk erfaßt tiefstes Weh. Ein nicht endenwollendes, weithin hörbares Klagegeheul kündet den Schmerz. Und noch ehe das Volk zu den nüchternen Forderungen des Alltags zurückfindet und noch ehe es seine naturbestimmte Art des Königinersatzes treffen kann, unterschiebt ihm der Imker dieses Kunstprodukt einer Königin, ohne Nachweis ihrer Eignung, nur gestützt auf imkerliches Gelingen. Doch nur zu oft reißt dem Bien die Geuld und wirft solch königliches Geblüt dem Imker zu Füßen. Und wenn einmal alles gut gelingt, so geschah es ohne Rücksicht auf unerforschte Naturzusammenhänge. – So viel wissen wir, daß sich die Natur solcher Mittel nicht bedient und daß menschliches Wirken in dieser Richtung nur einseitige Erfolge erzielt mit einhergehender Entartung.

aus „Bienenzucht – naturgerecht – einfach und erfolgssicher“ von Johann Thür (1946)